Havelquelle, Ankershagen und Friedrichsfelde (ca.35km!)

Dieser Ausflug ist eine Fahrradtour - nicht, weil ich Ihnen 35km zu Fuß nicht zutraute, aber es gibt keine Möglichkeit für wundgelaufene Füße, sich zurückfahren zu lassen. Wenn Sie trotzdem laufen möchten: nur zu!

Zwischen A und B fahren Sie über einen teilweise recht unebenen Weg durch dichten Wald, der östlich Ihrer Route "Urwald"-Charakter hat: Wildes Holz . In diesem Gebiet, vom Weg aus nicht einseh- und betretbar, lag der frühere Truppenübungsplatz der Roten Armee.

Sie werden ziemlich alleine sein, da Touristen sich hierher nur ganz selten verirren. Schade eigentlich. Erst in der Nähe der Havel-Quelle  treffen sie gelegentlich auf Spaziergänger oder Badegäste, die im Mühlensee schwimmen wollen.

Die ursprüngliche geologische Havelquelle ist der Bornsee, dessen Wasser in den Mühlensee fließt. Durch Aufschüttung eines Dammes im 15. Jahrhundert wurde der natürliche Abfluss des Mühlensees nach Süden ins Diekenbruch vollständig unterbunden. Der moorige Untergrund sorgte aber dafür, dass ständig etwas Wasser aus dem Mühlensee ins Bruch drückt. In unseren Tagen gilt diese Stelle deshalb als der Havelbeginn.

Der Mühlensee-Damm ist somit eine Wasserscheide. Das Havelwasser fließt in die Nordsee, die eigentlichen Quellseen entlassen ihr Wasser in die Ostsee.

2007 wurde die Quellschale fertiggestellt und damit wenigstens symbolisch die Verbindung der Havel zu ihren Quellseen wieder hergestellt.

Wir nähern uns nun Ankershagen von Süden.

Das Schliemann-Museum müssen Sie nicht lange suchen: Alles weist darauf hin. Leider - und das ist unsere ganz persönliche Meinung - hält das Museum nicht das, was der Name Schliemann verspricht: Sehr viel Text, einige Repliquen und wenige Originale. Irgendwie fehlt der "Geist des Genialen", der "Hauch der Antike" an diesem Ort - es kribbelt nicht im Bauch. Dafür können Sie aber im ehemaligen Pfarrgarten einen Kaffee trinken, ein Stück selbstgemachten Kuchen essen und im Museumsladen ein kleines Andenken kaufen (das lohnt sich!).

Besuchen Sie unbedingt die Kirche gleich gegenüber dem Museum. In diesem Gotteshaus war der Vater von Heinrich Schliemann Pastor, aber das merkt man nicht, und es ist auch gar nicht wichtig.

Wir betreten die frühgotische Feldsteinkirche durch den Turm und finden uns, als hätten wir einen Zeitsprung gewagt, in einem anderen Zeitalter wieder: Uraltes, inzwischen grau gebleichtes Gebälk, abgetretene Steinplatten und eine dicke Holztür, die den Turm vom Innenraum trennt. Wir öffnen die schwere Pforte und steigen über die Schwelle drei Stufen hinab .
Das Kreuzrippengewölbe ruht auf drei quadratischen Pfeilern. Die Fenster sind nur in der Ostwand in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Sie sind schmal, mit Rundbogen und spitzbogigen Blenden ausgeführt. Zur Inneneinrichtung gehört ein lebensgroßes Kruzifix und eine mit reichem Beschlagwerk versehene hölzerne Taufe von 1618 (unter dem Kruzifix). Die Orgel wurde vor einigen Jahren restauriert.

Ausgesprochen pfiffig ist die Idee, die Sage der Namensgebung von Ankershagen auf Tücher zu schreiben und an den Pfeilern auszuhängen. Nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie die Geschichte: Ein Schmunzeln können Sie sich dabei sicher nicht verkneifen.

Zum Abschluss besteigen Sie noch den Turm, wenn Sie sich trauen.

Unsere Tour führt uns nun weiter nach Friedrichsfelde, wo wir dem Gutshaus einen Besuch abstatten wollen. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten ein kleines Hotel. Den Garten hat man mit viel Liebe zum Spazieren hergerichtet. Außerdem findet sich dort ein Rondell, in dem Steinarten ausliegen und prima erklärt werden.

Im Gutshaus gibt es ein Erinnerungszimmer für Johann Heinrich Voß. Diese herausragende Persönlichkeit des Humanismus wirkte von 1769 bis 1792 in Ankershagen als Privatlehrer. Besonders bekannt wurde er durch die deutsche Erstübersetzung der Ilias und der Odyssee von Homer und seine eigenen Dichtungen.

Sie können nun den Rückweg über Klockow und Federow antreten. Wir empfehlen aber, kurz vor Klockow abzubiegen und wieder über Speck zurück zu fahren. Zwischen Klockow und Federow fahren Sie fast die gesamte Strecke an der Bahnstrecke Berlin - Waren entlang: Es gibt sicher Schöneres. Zum Beispiel eine Seefahrt auf der Müritz.